Wie verwenden wir denn die Begriffe “Mann” und “Frau”? Wenn wir einen Menschen sehen, sagen wir meist mit ziemlicher Sicherheit: “Das ist ein Mann.” oder “Das ist eine Frau.” Es gibt äußerlich sichtbare Merkmale (z.B. Körper- und Gesichtsformen), die uns sicher sein lassen (wobei wir uns irren können) Manchmal sind wir nicht sicher, oder wir erkennen dass wir uns geirrt haben. Das bedeutet, dass wir etwas erkennen, woran wir feststellen, dass der Mensch Eigenschaften hat, die wir nicht dem Geschlecht zuordnen, welches wir bisher vermutet haben.
Mir ist das mal vor vielen Jahren passiert, da traf ich einen Menschen mit sehr weiblichen Gesichtszügen, ich hielt ihn für ein Mädchen. Dass ich mich irrte, stellte ich fest, als er in der Toilette neben mir stand.
Es gibt also Kriterien, die bei der Zuordnung zum Geschlecht eines Menschen höher gewichtet sind als andere. Wenn hinter mir im Auto jemand hupt, kaum, dass die Ampel auf grün gesprungen ist, und mich dann wüst gestikulierend überholt, denke ich “Ein Mann!” Wenn ich dann zierliche runde Körper- und Gesichtsformen erkenne, denke ich: “Da hab ich mich geirrt, es ist eine Frau, die sich männlich verhält. Wenn ich diese Person an der nächsten Raststätte am Urinal neben mir wieder treffe und sie mit tiefer rauer Stimme zu mir spricht “Hast wohl deine Fahrerlaubnis in der Lotterie gewonnen?” schlucke ich und denke “Doch ein Mann, wusste ich’s doch!” Biologische Merkmale stehen also höher in der Bestimmung einer Person als Mann oder Frau als Verhaltensmerkmale.
Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache (Wittgenstein). Der Gebrauch in der Sprache der Worte Mann und Frau ist biologisch bestimmt.
Das hängt sicherlich damit zusammen, dass uns dieser Gebrauch auch sehr sicher macht. Im Alltag sind wir sicher, dass unsere Bestimmung eines Menschen als Mann oder Frau aufgrund offensichtlicher biologischer Merkmale meistens stabil bleibt. Wir können uns irren, aber das passiert so selten, dass es uns nicht verunsichert.
Was aber ist mit Sätzen wie: “Ein Junge weint nicht” oder “Ein Mädchen macht sich nicht schmutzig”? Sind sie nicht ebenso geschlechts-bestimmende Sätze wie “Ein Junge hat kantige Körperformen”?
Wenn man sich den Gebrauch der Sätze in der Sprache ansieht, erkennt man aber, dass sie nicht definierend, sondern normativ verwendet werden. Sie werden gesprochen, um ein Sollen auszudrücken, nicht ein Sein (Sie widersprechen meist dem aktuellen Sein).
Sinnvoll ist also nicht, eine künstliche Begriffsbestimmung herzuleiten, die nicht der Verwendung der Worte in der Alltagssprache entspricht, sondern die Normen zu befragen. Die einfache Frage heißt dann “Warum?”