Nicht das Klima an sich ist in Gefahr, sondern die klimatischen Bedingungen, auf denen unser heutiges kulturelles und wirtschaftliches Leben basiert, werden sich möglicherweise ändern, und zwar durch die Rückwirkungen eben dieses Lebens, welches in die natürlichen Regel-Mechanismen eingreift, um es sich bequem zu machen. Das wird früher oder später, schneller oder langsamer, zu unangenehmen Folgen für die Kultur und die Wirtschaft und damit für die Existenz eines jeden von uns führen. Und wir können nichts dagegen tun. Denn Klimaschutz ist eine Illusion.
Klimaschutz soll heißen: Den Eingriff des Menschen in seine Umwelt soll minimiert werden, alles, was nicht notwendig ist, muss vermieden werden. Doch dazu sind wir weder im Alltag bereit, noch im großen Maßstab in der Lage.
Gerade die dunkle Jahreszeit zeigt, wie wenig wir geneigt sind, auf unsinnige, überflüssige Energieverschwendung zu verzichten: Kirchen und Schlösser werden in Licht getaucht, Leuchtreklamen tauchen den Himmel über den Stadten in diffuses Licht und die Adventsbeleuchtung der Weihnachtsmärkte und Gärten verschafft uns den trügerischen Schein einer wohligen und sicheren Welt.
Das alles ist schön, es gehört womöglich zu unserer Kultur, gibt uns das Gefühl von Tradition, Geborgenheit und Stabilität und ist so für das Überleben in Stress und Chaos vielleicht nötig. Aber es zeigt eben, wie wenig wir in der Lage sind, zugunsten der Bekämpfung einer immer noch abstrakten Gefahr auf solche Wohlstands-Signale zu verzichten.
Wir delegieren die Verantwortung für die Abwendung abstrakter Risiken gern an das politische System, zu dem neben Regierungen und Parteien natürlich inzwischen die verschiedenen Lobby-Organisationen und NGO’s gehören. In der heutigen FAZ kann man sehr schön nachlesen, wie das nicht funktioniert. Die Geschwindigkeit der Entscheidungsprozesse im globalen politischen Geflecht von Interessen, Machpositionen und Zielen hält mit dem Tempo des Klimawandels vermutlich schon deshalb nicht Schritt, weil politische Entscheidungen grundsätzlich erst dann durchsetzbar sind, wenn die Folgen des jeweiligen Nicht-Handelns für jeden offensichtlich sind – das gilt für die Kohle-Politik in NRW genauso wie für die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland und erst recht für die nur weltweit lösbaren Probleme der Emissionen von Treibhausgasen und der Abholzung der Klimastabilisierenden Urwälder.
Natürlich hängt unsere persönliche, alltägliche Unfähigkeit, zu verzichten, mit der Unfähigkeit des politischen System, globale Maßnahmen zu beschließen und durchzusetzen, zusammen. Eine praktische Neuorientierung der Menschen im Alltag würde auf die politischen Strukturen einen enormen Druck ausüben, das würde möglicherweise auch das Tempo der Neuausrichtung der Wirtschafts-und Umweltpolitik in allen Teilen der Welt verändern. Würden wir Europäer im Alltag zeigen, was uns unsere Alpengletscher und der Schnee im Winter (und die verregneten Sommer) Wert sind, würden wir wirklich die Lichter, die wir nicht brauchen, abstellen, nicht nur für fünf Minuten, sondern auf Dauer, dann würden denen, die immer mit dem Finger auf die Industrieländer zeigen, bald die Argumente ausgehen. Aber das ist genausowenig zu erwarten wie die Durchsetzung globaler Vernunft in den politischen Entscheidungen überall auf der Welt.
Was bleibt? Der Klimawandel kommt oder kommt nicht, vielleicht schneller, vielleicht langsamer, wir werden noch eine Weile darüber nachdenken und streiten, ob wir Menschen Schuld sind oder nicht. Ändern werden wir unser Handeln sicher erst, wenn es zu spät ist. Vielleicht wird es dann ungemütlich, aber daran werden wir uns gewöhnen. Ich glaube nicht, dass die Menschheit daran zu Grunde geht, sie wird sich ändern, vielleicht wird es Katastrophen und Kriege geben, vielleicht werde sie uns ersparrt bleiben.
Wir können uns nicht mal richtig vorbereiten, wir wissen ja nicht, was wirklich kommt. Wir sind einfach machtlos.