Das Gymnasium Marienthal in Hamburg, wandsbek, 13.30 Uhr. Die 6. Schulstunde ist gerade um und die 11. und 12. Klassen können nach hause gehen, genauso wie vor 5 Jahren. Doch die heutigen 5. Klassen müssen noch mindestens 3 Stunden in der Schule bleiben und sich mit Mathematik oder Geschichte auseinandersetzen; dafür haben diese dann allerdings das Abitur ein Jahr schneller und strömen ein Jahr früher auf den Arbeitsmarkt. Ist das aber wirklich
ein so großer Vorteil, für den man bis zu 6 Wochenstunden mehr auf sich nimmt?
In der Grundschule geht es dagegen noch zu wie zum meiner Zeit – von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr Unterricht. Doch als ich auf das Gymnasium kam, gab es nur 2 Tage, an denen ich länger als 13.00 Uhr in der Schule bleiben musste und das auch nur 30 Minuten. Langsam, von Klasse zu Klasse, stieg die Stundenzahl. Sie blieben
jedoch im erträglichen Bereich und es gab immer mindestens einen Tag, an dem man schnell zu hause war.
Das hat sich jedoch so stark verändert, dass man in der 5. Klasse gerne mal bis um 16.00 Uhr in der Schule sitzt und danach noch Hausaufgaben zu erledigen hat. Lehrpläne werden dadurch natürlich schneller abgearbeitet und lernt damit heute Themen in der Unterstufe, die früher erst in der 8. Klasse auf dem Plan stand.
Fächer wie Latein/Französisch werden früher eingeführt. Alles in allem wird alles verdichtet für ein eingespartes Jahr. Dieses Jahr kann man allerdings auch ganz schnell wieder verlieren – indem man sitzen bleibt. Natürlich gab es das auch schon früher, wirklich schlimm war dies für niemanden. Viele Menschen, die es später zu etwas gebracht haben, sind bis zu zweimal sitzen geblieben und machten ihr Abitur erst mit 22/23. Warum macht die Bildungspolitik dann solch einen Wirbel um ein eingespartes Jahr?
Anscheinend, weil es viel mehr Arbeitswillige auf dem Arbeitsmarkt, der nun die ganze Welt umspannt, als vor 20 Jahren. Fachkräfte aus dem Ausland sind häufig billiger, als in Deutschland ausgebildete. Je jünger man heutzutage ist, desto besser. Wer seit seinem 16. Lebensjahr jobbt und Praktika absolviert hat eine riesige Chance auf einen guten Job; wer hingegen 13 Jahre Schule absitzt und immer noch nicht so recht weiß, was er machen soll und wann man damit anfangen könnte
verschenkt wertvolle Jahre seines Lebens. All denen soll mit dem eingesparten Jahr geholfen werden. Doch ob man 12 oder 13 Jahre faul ist, macht keinen großen Unterschied.
Als Schüler kann ich nur sagen, dass man bei den 13 Jahren bleiben sollte. Nach ausgiebigen Gesprächen mit Lehrern und Schülern wird klar, dass 12 Jahre keine
allzu gute Idee sind. Deshalb kann ich nur für das beibehalten von 9 Jahren Gymnasium plädieren.
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